Interview mit Claudia Dell – Kulturmanagerin im Hotel Elephant Weimar

Claudia Dell ist neu in der Hotelbranche und die neue Kulturmanagerin in unserem Hotel Elephant Weimar. Die studierte Kunst- und Literaturwissenschaftlerin mit Stationen in Greifswald, Berlin, Jena, Erfurt und Wien, hat ihr kulturelles Zuhause in Weimar gefunden. Neben der readktionellen Arbeit im renomierten Magazin für Fotografie – HANT, managed sie, neben Kornelia Lukoschek, Kultur, Kunst und Performance mit Hand, Herz und Verstand.


Liebe Claudia, stellen Sie sich doch kurz unseren Lesern vor.

Was macht Sie aus?

Eine spannende Frage, an der schon viele Philosophen gescheitert sind. (lacht) Aber ganz praktisch gesagt habe ich ein Studium ergriffen aus leidenschaftlichem Interesse an der Literaturwissenschaft und der Kunstgeschichte. Studiert habe ich in Greifswald und in Jena die Filmwissenschaft und Fotografie ergänzt. Das macht einen wichtigen Teil meines Lebens aus und dabei habe ich wichtige weitere Bereiche vorbereitet. So bin ich zum Kurzfilmfestival cellu l’art – größtes Kurzfilfestival Thüringens – in Jena gekommen. Zwei Jahre habe ich dort als Blockkuratorin und Leiterin des Festival-Zentrums gearbeitet.

Was meinen Sie mit Hand, Herz und Verstand?

Kunsthistorikerin mit Hand, Herz und Verstand.

Ich bin leidenschaftliche Theoretikein. Aber mein Anliegen war schon immer das Vermitteln des Werkes, vor Ort und mit der Betrachterin selbst Dinge zu überlegen und Konzepte zu vermitteln und zu entwickeln. Da muss man in das Gespräch, geht zu den Künsterln und fast mit an. Der vermittelnde Aspekt und das Greifbare ist immer interessanter für mich gewesen. Das hat mir nach dem Studium und mit dem Gang in die freie Szene immer viel Spaß gemacht. Ausschließlich in die Wissenschaft zu gehen, war nie mein Fokus.

 
 

Welches Bild verbinden Sie mit dem Lichtsaal?

Sie sind die neue Kulturmanagerin und leben Ihre Leidenschaft für das Bild. Ob in Bewegung oder als Momentaufnahme.

Bilder, die ich mit meiner Zeit bisher hier verbinde sind Menschen mit großen Augen, die sich von der Atmosphäre lenken lassen, von der Bilderwand überwältigt sind, vom Stöbermoment oder die zurückgezogenen Menschen, die warten und beobachten. Der Lichtsaal ist meine Spielwiese, wo ich tagsüber inkognito arbeite und mir Überraschungen überlege. Das Reizvolle für mich ist der Moment für sich, den man als Reisender erlebt. Und gerade hier im Lichtsaal, mit der dezidierten Öffnung nach außen und dem Einladen der Weimarer, ist die Verbindung bereitet, mit den Weimarern und den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Vor- oder Nachteil?

Weimar als Kulturhotspot…

Es ist ein Spagat den man hinbringt. Weimar ist eine kultivierte, offene, liberale und akademische Stadt. Lauter Ästheten die hier umherwimmeln. Man spürt die Klassikstiftung, die Bauhaus Uni, die Wiege der Moderne und das Kosmopolitische. Wo holt man die Gäste ab und wie gelingt einem das Interesse der Weimarer mit dem Interesse der Gäste im Haus zu verbinden? Das ist eine Herausforderung. Was kommt dem Klassiker zu Gute und wo finden sich interessante Impulse. Weimarer Vereine, wie den via nova (zeitgenössische Musik in Thüringen e.V.), der aus klassischen Kompositionen zeitgenössische Formen mit Videoinstallationen kreiert, sind interessant für uns. Wenn wir es schaffen die Weimarer Künstler hier in das Haus zu holen und neben den kulinarischen und sprachlichen Eindrücken Thüringens, durch die Musik zu begeistern – das ist mein Anspruch.

Was planen Sie für 2020?

Worauf setzen Sie den Fokus?

Ein Fokus, den ich gesetzt habe, ist der Film. In den kommenden Wochen werde ich den Stummfilmpianisten Richard Sietow sprechen. Wir planen Live Vertonungen, kombiniert mit einem Vier-Gänge-Menü, dass thematisch ähnlich aufgbeaut ist und sich gegenseitig begleitet. Auch das Festival Backup and Beyond soll eingeladen werden und präsentiert und ein Best-of. So bekommen Gäste die Chance, die Nachwirkungen des Festivals zu erleben.


Was interessiert Sie am Film besonders?

Leidenschaft Film.

Die unglaublich vielen Ebenen. Die kurze Lehrstelle, die ein Film auslöst, das mag ich. Etwas was anregt und das Impulse so ambivalent wirken können. Was ich besonders am Stummfilm mag, sind die Atmosphäre, das Klackern und die Filmästhetik. Das Spiel am Flügel macht es so wunderbar. Als Freund der analogen Technik, wird mir hier besonders in die Karten gespielt. Der Kurzfilm insbesondere reizt, weil er experimentell und abstrakt sein kann. Wie eine bewegte Malerei mit neuen Impulsen und alles spielt anders ineinander. Gezeigt werden Kurzfilme immer in Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt. Dem Medium hier in Weimar eine Plattform zu geben. Das ist mir wichtig.

Ihr schönstes Kompliment?

Rückmeldungen auf Ihre Arbeit…

„So was habe ich noch nie gesehen.“ Wenn man sofort überzeugen konnte und eine gute Wahl getroffen hat. Das der Künstler es geschafft hat, das Publikum abzuholen. Wenn der Gast in seiner Unbefangenheit und Unkenntnis abgeholt werden konnte und den Moment als gut empfindet. Wenn man eine Leidenschaft wecken konnte.

Wie schöpfen Sie aus beiden Momenten? Was genießen Sie hier im Elephant?

Neben der Arbeit als Kulturmanagerin im Hotel Elephant schreiben Sie auch für das HANT-Magazin für Fotografie.

Ja, irgendwie bin ich eine Rampensau (lacht laut und meint dies ganz sympathisch und zurückhaltend). Ich stelle unglaublich gerne meine Projekte vor. Es ist der Aspekt der Sprache! Ich finde einen Ausdruck für mich. Meine Arbeit, meine Projekte beflügeln mich leidenschaftlich. Das Schreiben ist eher intim, aber wenn ich hinter Sachen stehe, dann bereite ich den Gästen die Bühne vor, aus Respekt vor der Arbeit und als Wertschätzung vor dem Moment. Das sprachliche Einbetten und den Weg bereiten.

Verraten Sie uns noch Ihren Lieblingsort?

In Weimar und im Hotel.

Einer der ersten sehr starken Momente, die ich in Weimar erlebt habe: Das Denkmal für die Märzgefallenen von Walter Gropius, der Biergarten der ACC Galerie in Weimar. Mein Lieblingsort im Haus? Der Garten. In die Küche gehe ich auch sehr gerne. Die kleinen Stichelein und das miteinander cheeky sein liebe ich und finde das sehr reizend. Und die Bar mit ihrem Personal natürlich. Hier trifft man Persönlichkeiten an einem besonderen Ort.

 

Vielen Dank liebe Claudia. Wir freuen uns auf viele kulturelle Momente mit Dir.